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Rennbericht HT Nürburgring

Beobachtungen am Rande des Drei-Stundenrennens
(von Volker Mielcarek)

Walter Schneider: "Mein Gott... bin ich fertig... war das schön!" Diese Emotion des Gesamtsiegers des Race-Gruppe Triumph Competition & British GTs spiegelt wider, was die meisten der angetretenen Fahrer der an diesem Wochenende beim dreistündigen Langstreckenrennen auf Grandprixstrecke- und Nordschleife des Nürburgrings wohl gefühlt haben!

Sicherlich nicht ganz so zufrieden dürften die beiden Fahrer gewesen sein, denen trotz erheblicher Kraftakte bei der Bereitstellung ihrer Autos, von Seiten der technischen Kommissare das Befahren der Rennstrecke nicht genehmigt wurde: Einmal Mario Neumann, der seinen altbekannten gelb-orange-farbigen Triumph TR6 mit neuer Technik wiederbelebt hatte und dann Chris Marx, der seinen aus den USA geholten V8- befeuerten IMSA-Triumph TR8 zum ersten Mal auf den Asphalt einer deutschen Rennstrecke stellen wollte.

Bei Mario Neumann kamen gleich mehrere Kommissare zum Einsatz, die nach intensiver Recherche auch fündig wurden und den altbewährten Sicherheitskäfig monierten und deshalb die Plakette verwehrten.

Bei Chris Marx war die Liste der Negativbemerkungen noch deutlich umfangreicher. Obwohl im Anschluss seine höchstmotivierte, fünfköpfige "Servicemannschaft" die Nacht durch bis zum Rand der Erschöpfung die Liste abarbeitete - die zertifizierten Schweißer der Firma Cardiff Motorsport aus dem 125 km entfernten Langenfeld verließen die "Baustelle" erst gegen 05:00 h morgens - war alle Mühe vergebens, denn die Wettbewerbsteilnahme des klassischen US- Triumph-Bolidens wurde wegen des Fehlens eines Käfig-Zertifikates nach DMSB-Vorgabe weiterhin verwehrt.

Aber immerhin durften wir von Zeit zu Zeit dem durch eine neue Bastuck-Auspuffanlage den örtlichen Geräuschempfindlichkeiten entgegen gekommenen Phonwerten lauschen: Immer noch ziemlich beeindruckend! Auch wenn in der Gemeinschaft mit den dem TR8 vorangegangen Baureihen dieses Auto in Hinblick auf Zustimmung zur Rennteilnahme polarisieren dürfte, so hätte diesmal wohl jeder einmal gerne den Endpunkt der Triumph- Fahrzeugentwicklung in Aktion gesehen.

Das Zeittraining am Samstagmorgen konnte bei idealen Wetterbedingungen durchgeführt werden: Noch nicht einmal die gefürchteten Nordschleifen-Nebelbänke, die sogar im Hochsommer die Fahrzeiten verlängern konnten, waren diesmal zu sichten.

Schnell zeigt sich eine deutliche Qualifying-Dominanz durch zwei sehr unterschiedliche Autos, nämlich einmal durch den "kleinen" Marcos 1800 von Rainer Bastuck als Schnellster mit sehr niedriger 11':01''- Zeit für die Runde und knapp drei Sekunden dahinter der "große" Triumph TR6 vom Team Schamschula/Schellong. Der Abstand zum nächsten Fahrzeug, dem Triumph TR4 vom Team Hamilton/Vermast betrug dann schon fast eine halbe Minute, obwohl die erreichte Zeit von 11':32'' sehr beachtlich ist... so etwas muss man mit dem TR4 erst einmal herausfahren (weitere Ergebnisse im Downloadbereich der Webseite)!

Auch die meisten weiteren Teams und Einzelfahrer waren zufrieden mit der erreichten Performance oder auch deshalb, weil sich hier und nicht erst im Rennen frühzeitig einige Problemchen zeigten, die noch zu lösen waren, wie z.B. die Zündungsprobleme mein Bloemer- TR4. Recht auffällig in der Boxengasse war auch das zufriedene Grinsen von Detlef Walter, dessen MGB einmal perfekt lief und der darüber hinaus noch eine recht spannende Situation erleben durfte, als er wegen der Beeinflussung durch einen Mercedesfahrer eine Flugeinlage mit anschließender sicheren Landung durchführen durfte.

Das Rennen: Ein drei-Stunden-Rennen ist kein Sprintrennen... sollte man meinen! Weit gefehlt: Nach der Rennfreigabe des extrem gemischten 150er-Feldes, das in drei Gruppen gestartet wurde (die Triumph Competition fuhr in Gruppe 2), wurde ab dem ersten Meter gefightet wie in einem 20 Minuten Lauf! Zumindest um die erste Kurve sind diesmal alle ohne Blessuren gekommen, jedoch zeigte sich bald das geschwenkte Gelb, das auf zum Parken genötigte Rennwagen hinwies, als die dominierende Farbe auf der Nordschleife!

Glücklicherweise blieben unsere Fahrer von ernsthaften Unfällen verschont, obwohl der Berichtschreiber jedes Mal, wenn sich der Unfallrettungswagen auf der Zielgeraden ein Rennen mit Historic-Trophy-Racern lieferte, ein mulmiges Magengefühl verspürte.

Dennoch... so ganz ohne Blessuren technischer Art kam auch unsere Rennserie nicht davon: Zuerst fiel auf, dass die Zuschauer ab Rennmitte auf die spannenden Zweikämpfe der beiden anfangs erwähnten Triumph Competition-Führenden verzichten mussten, denn der Schamschula/Schellong Triumph TR6 ließ schließlich wegen einer defekten Zylinderkopfdichtung dem Bastuck-Marcos 1800 endgültig den Vortritt. Rainer Bastuck, jetzt nicht mehr genötigt, sich immer wieder im Rückspiegel zu orientieren, bzw. sich durch aufreibende Bremspunktmodifikationen die Spitze zurückzuholen, konnte seinen Speed nun ruhig entwickeln und sich zwischenzeitlich auf die Position 25 (!) des Gesamtfeldes stellen. Nur sein Auto wollte dann nicht so wie sein Fahrer, denn Rainer musste drei Runden vor Rennende seinen Nordschleifentribut zahlen: Ein Stückchen Marcos-Sperrholz war gebrochen... das Problem war nur, dass gerade dies Hölzchen als obere Stoßdämpferaufnahme konstruiert war. Folge war eine Spontanbremsung durch einseitige Achstieferlegung.

Obwohl der neue Triumph TR4 vom Team Bloemer/Lübbert wegen eines gelockerten Vorderradbolzens in der gleichen Runde wie der Marcos abgestellt werden musste, war besonders der Eigner Bernhard Bloemer erfreut darüber, dass sein Auto endlich das erwartete Potential zeigte... die 11':52"er-Zeit spricht für sich!

Noch ein wenig schneller zeigte sich das Team Simon/Loosen mit ihrem TVR 3000: Die Tüftlerarbeit der beiden Wolfgangs zeigte ihre positiven Früchte mit einem Triumph-Competition- Rennschnitt von 122 km/h, der nur durch Rainer Bastuck (132,9 km/h) und dem Austin Healey 3000 des Gesamtsiegers Walter Schneider getoppt wurde. Zum Ende hin jedoch zeigte sich, dass auch eine bekannt zuverlässige Benzinpumpe der Serienstreuung unterliegen konnte und den Webern schließlich die nötige Spritzufuhr verweigerte.

Zeitweiliger Treibstoffmangel kostete letztlich auch dem Team Walter/Lode die ersehnte Position vor ihrem Klassenmitbewerber Team Grüter/Rieser, beide im MGB. Und auch der 110-Liter-Tank im Hamilton/Vermast Triumph TR4 war irgendwann leer und führte zum ungewollten Stopp... allerdings erst in der "Auslaufrunde, wobei die Zieldurchfahrt dieses Autos interessanterweise für viele Zuschauer unbemerkt über die Boxengasse stattfand.

Matti Alexander Bohm, den meisten, an alten Autos Interessierten, als junger Redakteur des "Oldtimer Markt" bekannt, wagte u. A. zwecks Erweiterung seines Klassik-Rennsport- Horizontes einen Gaststart auf einem für ihn fahrerisch völlig unbekannten Rennauto, nämlich einem von Bastuck zur Verfügung gestellten Triumph TR4. Glücklicherweise konnte Matti auf einige Nordschleifen-Fahrerlehrgänge zurückgreifen, diese allerdings auf modernen Autos. Dass unsere im Schnitt ein halbes Jahrhundert alten Racer deutlich andere Anforderungen an den Fahrer stellen, wird jeder bestätigen, der dieses Umsteigen einmal durchgeführt hat... das Fehlen von jeglichen z.B. elektronischen Helferlein macht sich schon recht deutlich bemerkbar. Nach Übernahme des Autos von seinem Teampartner Johannes Ledinger erledigte Matti die restlichen zwei Rennstunden ohne Fehl und Tadel mit beachtlicher Performance, die letztlich zum Sieg in der Klasse E reichte, wobei man ihm auf dem Track keinen Bonus gegeben hat: "Chris (Forell) hat es mir sehr, sehr schwer gemacht, an ihm vorbei zu kommen." Da zeigte sich, dass ein "alter Hase" doch meist einige Tricks auf Lager hat, die einem Novizen das (Renn-)Leben interessant, aber auch schwer machen können.

Fazit: Auch wenn unser Fahrerfeld bei diesem Event kleiner als üblich angetreten ist - nicht jeder Fahrer traut sich ein Langstreckenrennen zu, zumal auf der Nürburgring Nordschleife und nicht jedes Auto ist überhaupt geeignet für diese besondere Schleife - so zeigte sich, dass der Auftritt der Triumph Competition & British GTs auf der Rennstrecke, im Fahrerlager und im Red Baron Catering-Zelt nicht unbemerkt geblieben ist, die positiven Rückmeldungen, zumal von der Rennleitung, verdeutlichen dies.

Hinweis: Alle Rennergebnisse und eine Reihe von Fotodokumentationen zu diesem Event sind ausführlich auf der TC-Webseite einsehbar!

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06.10.2017 Circuit de Dijon-Prenois FR
Dijon Trophees Historiques
01.09.2017 Circuit Parc Zandvoort NL
Zandvoort Grand Prix